Gustav Schulenberg

Gustav Schulenberg wurde am 20.12.1984 durch Herrn Josef Werner, BNN-Redaktion, in einem Artikel als ein herausragender Karlsruher Gewerkschaftler und Demokraten der Weimarer Zeit bezeichnet. Er verglich ihn mit August Dosenbach, Reinhold Frank und Ludwig Marum.

Nur wenig Material konnte ich über Gustav Schulenburg finden. Trotzdem hoffe ich, dass es mir gelingt, ihn Ihnen vorzustellen. Von 1906 bis 1918 war Schulenburg in Straßburg für den Deutschen Metallarbeiterverband, dem Vorgänger der heutigen IG-Metall, tätig. Unmittelbar nach Kriegsende 1918 war er geschäftlich in Berlin. Die Franzosen verweigerten die Rückkehr und bezeichneten ihn als „unerwünschte Person“. Er fand in Karlsruhe seine neue Heimat. Schnell fasste der begnadete Redner in Karlsruhe Fuß und war bis 1933 Erster Bevollmächtigter seines Verbandes. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigrierte er im März 1933 nach Frankreich. Auch hier fand er wieder bei der Gewerkschaft eine Anstellung. Nach der Niederwerfung Frankreichs im Jahre 1940 wurde Schulenburg durch die Gestapo verhaftet – Schulenburg wurde verraten. Von 1940 bis Juni 1942 saß er im Gefängnis in der Riefstahlstraße in Karlsruhe. In einer Verhandlung des Sondergerichtes Stuttgart wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Verbüßung seiner Strafe wurde der zwischenzeitlich 70jährige 1944 von Zweibrücken nach Dachau deportiert. Hier verliert sich die Spur des ehemaligen Karlsruher Stadtverordneten. Kein Mithäftling hat ihn in Dachau gesehen. Bis heute ist unklar, ob er überhaupt in Dachau angekommen ist. Auch konnte nicht herausgefunden werden, wo und wann Schulenburg ermordet worden ist. Am 24.12.1944 meldete ein SS-Offizier dem Schwager von Gustav Schulenburg, dass am 20.12.1944 trotz „bestmöglicher medikamentöser und pflegerischer Behandlung“ und „trotz aller ärztlicher Bemühungen“ sein Schwager verstorben sei und die Leiche im „staatlichen Krematorium“ eingeäschert worden ist.
Gustav Schulenburg ist einer von insgesamt 61 politischen Häftlingen aus Karlsruhe, die während des Naziregimes im Gefängnis, Zuchthaus oder Konzentrationslager starben, getötet oder hingerichtet wurden.
Sein Sohn Hans Schulenburg meldete sich nach der Veröffentlichung des Beitrages in der Oberreuter Waldpost schriftlich bei mir. Er war über den Artikel dankbar und erfreut. Die von Herrn Hans Schulenburg im Brief gemachten Ergänzungen und Korrekturen sind in diesen Beitrag eingeflossen.

Es schrieb für Sie:
Manfred Bilger
Manfred Bilger, damaliger 1. Vorsitzender des Bürgerverein Oberreut e.V., fasste erstmals die gesamte Straßengeschichte von Oberreut zusammen.